Weitergabe

Der soziale, ökonomische und kulturelle Kontext ermöglicht die Restaurierung des Baukulturerbes in Stampflehmbau in der Region Rhône-Alpes.

Eingriff eines konventionellen Unternehmens

Grundsätzlich wird für Instandhaltungs-, Renovierungs- und Reparationsarbeiten das beim Unternehmen gängigen (bekannten) Material eingesetzt. Heisst, Material dessen Einsatz in der Schule gelehrt wurde. Es ist natürlich nicht wünschenswert, dass eine Baustelle zu einem Forschungslabor wird. Jedem Arbeiter des Unternehmens wird die Anwendung des Materials gelernt, da es ansonsten schwierig ist eine Baustelle zu organisieren, zu beziffern und richtig zu realisieren.
Die Industrie schlägt uns vor Produkte, die einfach und schnell, sogar universell anzuwenden sind einzusetzen. Materialverkäufer oder der Vertrieb informieren, wie das Produkt anzuwenden ist.

Weitergabe des Handgriffs

Nach kurzer Information ist ein Kind fähig Lehm auf einer Unterlage zu stampfen. Einer grossen Anzahl Heimwerker gelingen schöne Restaurierungen am Gebäude mit dem lokalen Lehm, wenn sie angeleitet werden und den genauen Anweisungen folgen.
Es ist nicht schwer zu erlernen (auch nicht zu lehren), wie die mit vorbestimmtem Lehm konkreten aufeinander folgenden Restaurierungsaufgaben zu erledigen sind. Und dies kann sehr gut direkt auf der Baustelle geschehen.
Selbstverständlich könnte man es auch in der Schule lehren, nachdem ein Stampflehmuntergrund erstellt wurde.
Leider geht heute die Wissensweitergabe an eine Person, die über Sicht, Gehör und Tastsinn verfügt, nicht über die Ausführung des Handgriffs.
Gerade weil der Bedarf an Restaurierungen in der Region Rhône-Alpes klar von Privatpersonen ausgedrückt wird, sollten politische Entschlüsse und administrative Entscheidungen die Organisation von Ausbildungen dieser Handgriffe ermöglichen.

Weitergeben der Beobachtungsgabe und die Wahl des Verfahrens

Das Erlernen von Handgriffen benötigt relativ wenig Wissen und Zeit, hingegen braucht die Wahl eines Verfahrens mehrere Jahre Baustellenerfahrung und ergibt sich direkt aus der Beobachtungsgabe.
Es gibt viele essentielle und voneinander abhängige Parameter, was das gesamte Gebäude, seine Formen, seine Nutzung, seine Umwelt, die verwendeten Materialien usw. betrifft. Keiner der Parameter kann isoliert oder vernachlässigt werden und die Veränderung eines Einzigen führt zur Neubetrachtung einiger anderer.
Diese Beobachtungsgabe bildet sich nach und nach mit der Praxis und im Verlauf der verschiedenen Projekte, sie stützt sich oft auf technische oder wissenschaftliche Daten und wie jeher auf der Erkenntnis ab. Das gleiche gilt für die Problem- und Risikoanalyse.
Eine mündliche Präsentation oder die Beschreibung in Büchern, egal wie gehaltvoll oder lang diese sein mögen, geben Auskunft darüber was Beobachtung bedeutet und sie sensibilisieren über den Restaurierungsvorgang. Sie können aber nie vorgeben eine komplette Ausbildung zu sein.
Zum Beispiel, kann das gute oder schlechte Zusammenhalten des Stampflehms eines bestehenden Wandsockels oder übermässiger Wassergehalt im Stampflehm nur vor Ort, mit den Sinnen (Tasten, Sehen, Hören) begreifbar und im Vergleich mit anderen Untergründen weitergegeben werden. Manchmal kann sogar der Geruchssinn gebraucht werden.

Handelt es sich um Instandhaltung, Strukturveränderung oder Restaurierung, die physischen Empfinden und die Erkenntnis sind unumgängliche Basis für die Restaurierungen mit natürlichen Materialien.
Wenn wir wollen, dass die Restaurierungen für das Baukulturerbes in Stampflehmbau effizient sind, kann die Ausbildung nur in einem sozialen, ökonomischen, technischen und unter klimatisch reellen Umständen auf realen Untergründen stattfinden, was folglich bedeutet auf der Restaurierungsbaustelle selbst.
An anderen Orten können wir nur von Einführung oder Sensibilisierung in die Thematik sprechen.